Kostenloses WLAN an öffentlichen Plätzen in der Stadt Fürstenwalde

Betreff
Kostenloses WLAN an öffentlichen Plätzen in der Stadt Fürstenwalde
Vorlage
6/DS/381
Art
Informationsdrucksache öffentlich

Beschlussvorschlag:

Der Stadtverwaltung wird der Auftrag erteilt, in der Stadt kostenfreies WLAN an den sieben als vorrangig identifizierten Orten nach der empfohlenen Vorgehensweise umzusetzen.

Sachverhalt:

Auf unterschiedlichen Wegen wurde der Bedarf für frei zugängliches WLAN im Innenstadtbereich für die Stadt Fürstenwalde artikuliert. Die Anregungen der LINKEN und des BfZ wurden aufgegriffen und mit den Überlegungen der Verwaltung zusammengeführt:

An markanten Orten, die von Besuchern und Einheimischen gleichermaßen frequentiert werden, soll kostenfreies WLAN zur Verfügung gestellt werden. Folgende Orte wurden als vorrangig identifiziert:

 

1)     Marktplatz

2)     Bahnhof

3)     Ruderzentrum

4)     Parkclub

5)     Jugendclub Nord

6)     Pneumantforum

7)     Friesenstadion

Die Umsetzung des freien WLAN an diesen Orten ist mit Hilfe kommerzieller Anbieter möglich:

 

Eine Abfrage zur Markterkundung hat folgendes Bild ergeben: Für die  sieben Hotspots im Stadtgebiet würden bspw. bei German Hotspots Einmalkosten von insgesamt rund 5.900 Euro sowie eine monatliche Servicepauschale von rund 222 Euro (alle Angaben in brutto) anfallen. Kosten für den an jedem Standort notwendigen Internetanschluss sowie anfallende Infrastrukturmaßnahmen wie Verkabelungsleistungen sind hier noch nicht dargestellt.

Bei T-Systems würde das Komplettpaket über 60 Monate rund 26.000 Euro kosten (beide Angebote im Anhang). Damit ist das Projekt umfänglich realisiert und auf die Stadt kämen absehbar keine weiteren Aufwendungen zu.

Beide Anbieter würden alle relevanten rechtlichen Absicherungen (Vorratsdatenspeicherung, Störerhaftung etc.) und Wartungen (bei German Hotspots nicht für den DSL-Zugang) übernehmen. Bei dieser Variante bestünde zudem die Möglichkeit, den Zugang zu beschränken und eine Werbeseite für die Stadt oder ggf. für einen Partner vorzuschalten. Dauer, Zeitpunkt und Umfang der Nutzung wären somit kontrollierbar und man könnte die Nu tzer gezielt auf durch uns gewählte Inhalte aufmerksam machen.

 

Alternativ gibt es die Realisierung des kostenfreien WLANs über das Konzept der Freifunk-Initiative über weite Teile des Stadtgebiets, soweit sich Unterstützer mit einem privatem Internetanschluss daran beteiligen:

 

Der Freifunk unterscheidet sich in der Nutzung von den kommerziellen Angeboten insofern, als dass jeder Nutzer zeitlich und inhaltlich unbeschränkt das Internet nutzen kann. Regulierungen jedweder Art sind nicht vorgesehen. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung und die Schaffung einer brauchbaren Abdeckung ist dafür jedoch bürgerliches Engagement.

Der Verein Freifunk Berlin würde im Falle einer Zusammenarbeit mit den örtlichen Akteuren die Störerhaftung übernehmen können. Das Problem der Wartung und des Services verbleibt bei den einzelnen „Freifunkern“. Unter dem Dach der Freifunk-Gemeinschaft aus Berlin und mit Unterstützung der Grünheider Freifunker könnte damit eine Initiative für freies WLAN in Fürstenwalde umgesetzt werden.

 

Neben dem klassischen Freifunk bietet der  Verein zwei Lösungen an, die in Konkurrenz zu den o. g. kommerziellen Angeboten stehen (siehe Anlage):

 

Lösung 1 realisiert über exponierte Standorte (Antennenmasten in ausreichender Höhe) eine vermaschte Versorgung mit zentraler und/oder dezentrale r Interneteinspeisung.

Kostenabschätzung durch den Freifunk rund 5.600 Euro für den zentralen Knoten und 3.150 Euro für jede der erforderlichen Gegenstellen. Interneteinspeisungs- und Betriebskosten sind nicht mit enthalten.

 

Lösung 2 bezieht sich, wie die kommerziellen Angebote, auf die sieben ausgewählten Standorte und ist mit rund 4.300 Euro Investitionskosten durch den Freifunk kalkuliert

Die Erschließung der Standorte durch DSL in ausreichender Bandbreite ist nicht enthalten.

 

Bei der Beauftragung kommerzieller Anbieter über ein Ausschreibungsverfahren können klare Anforderungen definiert und umgesetzt werden. Beim Angebot der Telekom sind keine eigenen Erschließungsleistungen für die Verbindung zum Internet erforderlich und damit einen kostentransparente Umsetzung zeitnah möglich.

 

Im Zusammenwirken mit einem Freifunkverein ist der Erfolg der Umsetzung des freien WLANs stark abhängig vom Engagement der handelnden Personen des Vereins und von der breiten Beteiligung der Bürger an diesem Projekt. Es kann jedoch nur auf diese Weise eine möglichst flächige Versorgung erreicht werden, die durch kommerzielle Angebote nicht abgedeckt wird.

 

 

 

 

 

Informationen zu Freifunk

Freifunk ist eine nichtkommerzielle Initiative, die sich dem Aufbau und Betrieb eines freien Funknetzes, das aus selbstverwalteten lokalen Computernetzwerken besteht, widmet. Im deutschen Sprachraum hat die Initiative ihren Ursprung in Berlin. Zu den Zielen gehören die Förderung lokaler Kommunikation, ein möglichst dezentraler Aufbau, Anonymität und Überwachungsfreiheit. Freifunk baut auf dem Pico Peering Agreement auf, das für ein diskrimierungsfreies Netzwerk sorgen soll (sh. Netzneutralität). Neben dem Aufbau des Netzes möchten die Freifunker auch ein Medium bieten, um die technische Bildung zu fördern.

 

Organisation

Die Freifunk-Gemeinschaft ist dezentral organisiert. Jede Privatperson, die einen Freifunk-Router aufstellt, darf und soll über die technische Ausgestaltung frei verfügen. Geographisch nah aneinander liegende Betreiber schließen sich oftmals zu Benutzergruppen, lokalen Communitys zusammen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass der Freifunk überwiegend auf WLAN-Technik beruht und der einzelne Router nur eine beschränkte Reichweite hat. Die Community dient der zur Vernetzung notwendigen Koordination zwischen den einzelnen Betreibern, z.B. die Einigung auf miteinander kompatibler Software. Die einzelnen Communitys bieten daher oft auch Infrastruktur und Werkzeuge wie z.B. eine auf die Stadt oder den Stadtteil zugeschnittene Router-Firmware, Richtfunkstrecken zur Überbrückung größerer Entfernungen (über einen Fluss oder wenig bewohnte Gebiete), ggf. notwendige zentrale Server an oder helfen Interessenten bei der Einrichtung.

 

Im Mai 2016 waren im deutschsprachigen Raum über 300 solcher Communitys bekannt, die teilweise als Verein organisiert sind und damit ihren Mitgliedern eine gewisse Rechtssicherheit bieten.

 

Die einzelnen Communitys assoziieren sich dann oftmals mit Dachvereinen wie zum Beispiel dem Förderverein Freie Netze e.V. oder dem Freifunk Rheinland e.V. Diese Vereine verwalten Teile der Infrastruktur, die Kosten und höheren Organisationsaufwand verursachen, deren Nutzung aber auch optional ist. So verwaltet z.B. der Förderverein Freie Netze e.V. das Web-Portal freifunk.net und bietet für Communitys diverse Dienste wie gehostete Blogs an. Der Freifunk Rheinland e.V. hat sich als nicht-kommerzieller Internet-Provider organisiert und bietet Communitys seine Backbone-Infrastruktur an, um auch die rechtliche Verantwortung zu übernehmen (vor allem in Bezug auf die Störerhaftung).

(Quelle: Wikipedia: Freifunk; 7. Oktober 2016)

Hans-Ulrich Hengst

Bürgermeister

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Anlagen:

  1. Angebot der Roeschlau Kommunikationsberatungs GmbH & Co.KG – German Hotspots
  2. Angebot von T-Systems und Musterpreisinfo T-Systems
  3. Kalkulation für Freifunk