Grundsatzbeschluss zur Sanierung und zum Umbau des Jagdschlosses

Beschlussvorschlag:

Die Durchführung des Bauvorhabens „Sanierung und Umbau des Jagdschlosses“ in der Schlossstraße 13  und die Beauftragung der Planungsleistungen Lph 3 und 4 nach HOAI auf der Grundlage der Vorplanung wird beschlossen.

 

Sachverhalt:

In der Beratungsdrucksache 6/165 wurde der Sachverhalt zur Beteiligung der Stadt am Stadt-Umland-Wettbewerb ausführlich dargestellt und im Stadtentwicklungsausschuss am 25.08.2015 intensiv diskutiert. Am 10.09.2015 beschloss dann die Stadtverordnetenversammlung einstimmig, das Stadt-Umland-Konzept einzureichen und im Falle der Auswahl der Stadt-Umland-Kooperation die Maßnahmen und Projekte umzusetzen

Voraussetzung für die Beteiligung am Wettbewerb war eine gelungene Kooperation des Mittelzentrentrums Fürstenwalde mit den Umlandgemeinden Storkow und Grünheide sowie den Ämtern Scharmützelsee, Spreenhagen,  Odervorland, der LAG Märkische Seen, privaten Akteurinnen und Akteuren sowie Vereinen. Am 23.03.2016 wurde die Urkunde zur erfolgreichen Teilnahme von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider übergeben.

Im Maßnahmenpaket 3 der gemeinsamen Strategie (Themenfeld 3: Wirtschaft und Tourismus) wird unter anderem die Ansiedlung einer privat betriebenen „Europäischen Fachhochschule für Tourismus und Gastronomie“ in Fürstenwalde/Spree an den Standorten Aufbauschule und Jagdschloss sowie deren Sanierung genannt. Durch das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung  wurde im Nachhinein entschieden, dass die ehemalige Aufbauschule in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße nicht mit EU-Mitteln gefördert werden kann und hierfür Fördermittel aus dem Programm „Stadtumbau“ zur Verfügung stehen werden.

 

Geschichtlicher Hintergrund und heute:

1. Gebäude

Das ehemalige Jagdschloss wurde von Friedrich III. (ab 1701 Friedrich I., König in Preußen) in Auftrag gegeben und 1699/1700 vom Architekten Martin Grünberg erbaut. Im Laufe der letzten 300 Jahre wurde es umgebaut und vielfältig genutzt:

1. ab 1736, Sitz des Kommandeurs

2. unbekannt, Strumpfwirkerei

3. 1749, Obdachdachlosenunterkunft nach Brand in der Stadt

4. ab 1750, Militärgetreidemagazin

5. um 1920 bis 19 45, Proviantamt

6. ab 1945 bis Anfang 1990, Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB)

Das Jagdschloss befand sich nach der Wiedervereinigung viele Jahre im Privateigentum, was für den Zustand des Hauses wenig zuträglich war. Mit dem Erwerb des Gebäudes im Jahr 2013 und den darauf folgenden Sicherungsmaßnahmen hat die Stadt Fürstenwalde/Spree vor allem das Ziel verfolgt, die wertvolle Bausubstanz für die künftigen Generationen zu sichern.

 

2. Freianlagen

Im Jahre 1706 befahl Friedrich I. die Anlegung eines Lustgartens, 1711 wurde der Plan dazu vom Landbaumeister Creutz umgesetzt. Es wurde ein Angelhäuschen errichtet und ein Karpfenteich angelegt. Mit der Zeit ist der Außenbereich des Schlosses brachgefallen und wurde mehrfach überformt:

1. 1743, Abriss des Angelhäuschens

2. 1795, Errichtung des neuen Magazingebäudes

3. um 1801, Geländeabtrag bis zu 1,65m

4. 1822, Errichtung von Stallanlagen der IV. Eskadron der 3. Ulanen

5. 1834, Verfüllung des Karpfenteiches, Anlegen eines Militärgemüsegartens

6. um 1880, Anlegen eines Reitplatzes

 

Heute ist das Jagdschloss ein stadtstrukturell wichtiges Denkmal mit landesweiter Bedeutung. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für Erhalt und Nutzung des ehemaligen Jagdschlosses wurden im öffentlichen Teil des Stadtentwicklungsausschusses am 17.03.2015 ausführlich dargestellt.

Planungsleistungen:

Im August 2016 wurde die Vergabeabsicht der Planungsleistungen für die denkmalrechtliche Instandsetzung, Umbau und Sanierung mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb europaweit ausgeschrieben. Grundlage dieser Ausschreibung waren die Ergebnisse der:

-          Machbarkeitsstudie

-          holschutztechnischen Untersuchung

-          Mauerwerksanalyse

-          und Geländeprofilierung.

Die Planungsaufträge für die Leistungsbilder:

-          Objektplanung,

-          Technische Gebäudeausrüstung,

-          Tragwerksplanung

-          und Freianlagen,

wurden mittels Zuschlagserteilung im Dezember 2016 erteilt,  sodass am 10.01.2017 die erste Planungsbesprechung stattfinden konnte. In dieser Besprechung wurde festgelegt, dass die Ergebnisse der  Grundlagenermittlung und der Vorplanung nach HOAI bis Ende März 2017 vorliegen werden. In den letzten Wochen wurden weitere Planungsaufträge an den Prüfingenieur für Standsicherheit, die Bauakustik, des Wärmeschutzes, der Energiebilanzierung und für das verformungsgerechte Aufmaß vergeben.

Planungsstand:

Der vorliegende Planungsstand der Lph 2 (gem. Anlage 1, 9 Seiten) wurde in enger Abstimmung mit dem Investor, dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, der Denkmalschutzbehörde des Landkreises, den beteiligten Planern und der Verwaltung erarbeitet.

 

1. Objektplanung

Im Souterrain des Jagdschlosses befinden sich die Garderobe, die sanitären Anlagen, ein Technikraum und ein Weinkeller. Des Weiteren ist in diesem Bereich eine Buffetküche (Innen- und Außenbewirtung) angeordnet, die ein Buffet für alle Sitzplätze und kochen bis 50 Sitzplätze außerhalb von Veranstaltungen (Besucher, Rad- und Wasserwanderer) ermöglicht. Dadurch ist auch ein separater Betrieb des Jagdschlosses ohne den Investor der  „Europäischen Fachhochschule für Tourismus und Gastronomie“ möglich.

Im Erdgeschoss des Jagdschlosses befinden sich die Künstlergarderobe und Veranstaltungsräume. Die Raumaufteilung wird hier durch Schiebewände variabel gestaltet. Damit werden vielfältige Veranstaltungen (auch gleichzeitig) möglich sein. Vorgesehen ist die Durchführung von Seminaren (70 Plätze), Lesungen (50 Plätze) oder großen Podiumsdiskussionen (130 Plätze), wobei im Ostflügel des Schlosses die gastronomische Versorgung sichergestellt wird. Neben den öffentlichen und halböffentlichen Veranstaltungen werden im Erdgeschoss auch Festveranstaltungen wie Hochzeiten, Familien- oder Firmenfeste durchführbar sein.

Im Dachgeschoss ist eine Ausstellungsfläche zur Geschichte des denkmalgeschützten Hauses oder die Unterbringung einer Wechselausstellung möglich, wobei hier die Schaffung eines behindertengerechten Zugangs schwierig ist (Aufzugsschacht darf die Dachfläche nicht durchdringen). Denkbar ist die Erschließung durch einen Treppenlift. In diesem Zusammenhang ist der zweite bauliche Rettungsweg anzuordnen.

Die gestalterischen Grundauffassungen der Denkmalschutzbehörden spiegeln auf der Südseite (zur Spree) die Speicherzeit wieder. Neben dem bestehenden Geländeniveau und den vorhandenen Toröffnungen im Souterrain bleiben teilweise die Fensterluken bestehen (in untergeordneten Räumen). Die Fenster sind gestalterisch so auszubilden, dass ausreichend Licht einfällt und die Gliederung der Speicherzeit zuzuordnen ist.  

Die Treppen- mit Terrassenanlage (Balkon), als verbindendes Element zwischen Erdgeschoss und Garten, hat gestalterische Wichtigkeit (unterstützend folgen 3D-Visualisierungen in Lph 3).

Die Nordseite soll prinzipiell dem frühbarocken Jagdschloss nahestehen. Proportionen, Fassadengliederung und Fensteranordnung sind und bleiben unverändert. Die Fenstergrößen und -gliederungen sind relativ beständig, die Materialität ist in den weiteren Leistungsphasen zu ermitteln.

 

2. Technische Gebäudeausrüstung

Nach dem derzeitigen Planungsstand wird die Wärmeversorgung über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Kapillarheizflächen im Grundlastbereich gewährleistet.  Diese bietet den Vorteil, dass über die Sole eine passive Kühlung erzeugt werden kann und dadurch keine zusätzliche Anlage zur Kühlung benötigt wird. Die Spitzenlast kann über einen Fernwärmeanschluss sichergestellt werden.

Die Grundlüftung in den Veranstaltungsräumen wird über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung erreicht. Die Außenluftansaugung erfolgt über einen im Wirtschaftshof stehenden Ansaugturm. Die Fortluft wird über die Dachaufbauten ins Freie geführt. Für die Buffetküche wird eine gesonderte Lüftungsanlage vorgesehen, welche die 2 notwendigen Dunstabzugshauben entlüftet.

Als behindertengerechte Aufzugsanlage wird ein Personenaufzug (635 kg, 6 Personen) zum Einsatz kommen. In der Buffetküche wird ein Kombinationsaufzug (Souterrain – EG Gastronomievorbereitung) mit 100 kg angeordnet.

 

3. Freianlagen

Bei der vorliegenden Freianlagenplanung (Anlage 2, 4 Seiten) handelt es sich um Konzeptstudien zur Vorplanung, die nicht Gegenstand des Grundsatzbeschlusses sind. Im Wesentlichen sind in diesen Planungen der mögliche Standort der Stellplatzanlage und deren Zufahrt, die Gartenanlage mit der Sichtachse zum Mittelrisalit und Spree mit Aussichtspunkt, die Wegebeziehungen von der Uferzone/Schlossstraße zum Jagdschlossgelände und die gespiegelte Baumreihe (zum Magazin I) mit Spielangeboten für Kinder dargestellt. Im Ergebnis des ersten Gesprächs mit Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Berlin, Außenstelle Fürstenwalde wird die Erteilung einer Genehmigung zur Errichtung einer Aussichtsplattform (Steg) und einer Anlegestelle mit Slippanlage (Anlage 3) positiv gesehen, so dass in diesem Bereich mittelfristig der Wasserwanderrastplatz sowie das Zentrum für Ruderer- und Drachenbootfahrer denkbar sind.

 

Kosten:

Gemäß der Investitionskostenschätzung nach DIN 276 (Anlage 4, 5 Seiten) entstehen für die  Realisierung dieser Maßnahme Kosten auf dem Jagdgeschossgrundstück (ohne Maßnahmen im Umfeld) in Höhe von rund 7.28 Mill€. Im Einzelnen setzen sich diese Kosten wie folgt zusammen:

 

-          KG 200 Herrichten und Erschließen                           85.000,00€

-          KG 300 Bauwerk – Baukonstruktionen              2.916.978,90€

-          KG 400 Bauwerk – technische Anlagen                770.433,07€

-          500 Außenanlagen                                                    2.230.000,00€

-          700 Baunebenkosten                                               1.273.517,39€

 

Ausführungszeit:

Die Realisierung soll ab März 2018 bis 2020 erfolgen.

 

Nutzung und Bewirtschaftung:

Es ist geplant, für den gewerblich genutzten Teil der Räume einen Mietvertrag mit entsprechender Leistungsbeschreibung zwischen der Stadt und dem Betreiber abzuschließen. Die Räumlichkeiten mit der Haustechnik und alle Verkehrsflächen verbleiben in der Verwaltung der Fachgruppe 4.60. Ziel ist es, dass über die erzielten Mieteinnahmen die Betriebs-, Instandhaltungs- und Reinigungskosten der Haustechnik- und Verkehrsflächen refinanziert werden.

 

Finanzierung:

Im Finanzhaushalt der Haushaltsjahre 2016-2020 sind Investitionskosten in Höhe von 7,4Mill€ unter der Maßnahmen Nr. 4 61 PR05 01 004 und dem Kostenträger 511 30 50 eingestellt.  Der geplante Fördermittelanteil aus dem „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“ (EFRE) beträgt 5,92Mill€. Der kommunale Eigenanteil beträgt demzufolge derzeit 1,48Mill€. Durch die Co-Finanzierung über das Förderprogramm „Stadtumbau Aufwertung“ reduziert sich der kommunale Eigenanteil auf 740.000€.

 

 

Im Auftrag

 

 

 

Christfried Tschepe

Fachbereichsleiter Stadtentwicklung

 

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Anlagen:

1. Planungsstand der Lph 2

2. Konzeptstudien Freianlagenplanung

3. Aussichtsplattform, Anlegestelle mit Slippanlage

4. Investitionskostenschätzung nach DIN 276