Benennung eines Weges in Fürstenwalde-Süd

BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:6/DS/651  
Aktenzeichen:4.61-mw
Art:Beratungsdrucksache öffentlich  
Datum:05.02.2018  
Betreff:Benennung eines Weges in Fürstenwalde-Süd
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Beschlussvorschlag:

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, den künftigen Fuß- und Radweg durch den in der Anlage gekennzeichneten Grünzug im Wohngebiet „Ketschendorfer Feldmark“ in „Gertrud-Fliegenschmidt-Weg“ zu benennen.


Sachverhalt:

Öffentliche Straßen und Wege sollen zur Gliederung des Stadtgebietes eindeutige Namen erhalten, um eine bessere Orientierung zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu ermöglichen. Im Wohngebiet „Ketschendorfer Feldmark“ erhielten durch zwei Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung (6/DS/264 vom 12.05.2016 und 6/DS/563 vom 02.11.2017) zehn Straßen und Wege neue Namen. Davon wurden neun Straßen und Wege entsprechend der in der am 15.03.2012 beschlossenen Konzeption zur Gleichstellung von Frau und Mann in der Stadt Fürstenwalde/Spree nach Frauen benannt, welche sich um die Stadt Fürstenwalde/Spree, die Gemeinde Ketschendorf und/oder das Land Brandenburg verdient gemacht haben.

Als Abschluss der Benennungen auf der Ketschendorfer Feldmark soll der Weg durch den geplanten Grünzug (Grundsatzbeschluss 6/DS/630 vom 01.02.2018) im Wohngebiet einen Namen erhalten, der an eine weitere Frau mit örtlichem Bezug erinnert. Der Grünzug wird zwischen der Krausestraße und der künftigen Emma-Reich-Straße liegen und die Lily-Braun-Straße und die künftige Charlotte-Fenske-Straße kreuzen. Zentrales Element des Grünzuges wird der ausschließlich für den Fuß- und Radverkehr vorgesehene Weg sein, welcher ein Teil der Verbindung Waldemarplatz–Bahnhofstraße sein wird. Der Grünzug ist in der Anlage dargestellt, der genaue Verlauf des Weges wird durch die Ausführungsplanungen zum Grünzug in späteren Drucksachen festgelegt.

Der Weg durch den Grünzug soll den Namen „Gertrud-Fliegenschmidt-Weg“ erhalten. Gertrud Auguste Luise Bannasch wurde am 15.03.1886 in Stettin geboren. Sie heiratete am 04.01.1909 den Pastor Johannes Fliegenschmidt. Dieser war seit 1908 Pfarrer in Rauen und Ketschendorf. Da Ketschendorf ursprünglich keine eigene Kirche hatte, mussten die Einwohner zum Gottesdienst nach Rauen – der Straßenname „Rauener Kirchweg“ erinnert noch heute an diesen Umstand. Durch das überproportionale Wachstum von Ketschendorf im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Wunsch der Bewohner nach einer eigenen Kirche, da der Platz in der Rauener Kirche nicht mehr ausreichte. Bereits um die Jahrhundertwende wurden daher eigene Gottesdienste in einem Klassenzimmer der Schule in Ketschendorf gefeiert, welches aber keine dauerhaft befriedigende Lösung darstellte.

Am 30.01.1904 gründete sich der Ketschendorfer Kirchenbauverein, um die Errichtung einer eigenen Kirche voranzubringen. Nach längerer Suche nach einem geeigneten Bauplatz erfolgte am 27.06.1909 die Grundsteinlegung für die Kirche in der Schillerstraße. Die Einweihung der Ketschendorfer Kirche fand am 16.09.1910 statt. Verantwortlich für die Gemeinde und damit für den Kirchenbau war Pastor Fliegenschmidt. Er blieb bis 1915 in Ketschendorf und bis 1928 in Rauen Pfarrer.

Johannes und Gertrud Fliegenschmidt hatten fünf gemeinsame Kinder. Gertrud Fliegenschmidt starb am 16.08.1970 in Ludwigsdorf bei Görlitz.

Weiteres aus dem Leben und Wirken von Gertrud Fliegenschmidt ist nicht bekannt. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass sie als Pfarrfrau – wie in den evangelischen Gemeinden üblich – mittelbar und unmittelbar die Gemeindearbeit ihres Mannes unterstützt hat, gerade auch in der Zeit des Kirchenbaus. Mit der Benennung des Weges soll deshalb an das in der Regel nicht dokumentierte wichtige Wirken von Pfarrfrauen in einer Kirchengemeinde und zugleich an den ersten Kirchenbau in Ketschendorf erinnert werden.


Im Auftrag

Christfried Tschepe

Fachbereichsleiter Stadtentwicklung

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Anlage:

Lageplan des Grünzuges