Benennung einer Straße in Fürstenwalde-Mitte

Betreff
Benennung einer Straße in Fürstenwalde-Mitte
Vorlage
6/DS/849
Aktenzeichen
4.61-mw
Art
Beratungsdrucksache öffentlich

Beschlussvorschläge:

  1. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, der in Anlage 1 dargestellten Verkehrsfläche südlich des Altstädter Platzes, gelegen auf den Flurstücken 65/1 und 79 der Flur 118 der Gemarkung Fürstenwalde/Spree, den Namen __________________________ zuzuteilen.
  2. a) Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, der in Anlage 1 dargestellten Wegfläche auf den Flurstücken 65/1 und 101 der Flur 118 der Gemarkung Fürstenwalde/Spree zwischen der Verkehrsfläche und dem Park, den Namen __________________________ zuzuteilen.

b) Die Stadtverordnetenversammlung beschließt, der in Anlage 1 dargestellten Wegfläche auf den Flurstücken 65/1 und 101 der Flur 118 der Gemarkung Fürstenwalde/Spree zwischen der Verkehrsfläche und dem Park keinen Namen zuzuteilen.

Sachverhalt:

In ihrer Sitzung vom 22. November 2018 hat die Stadtverordnetenversammlung den Bebauungsplan Nr. 90 „Wohnen am Altstädter Platz“ als Satzung beschlossen (6/DS/795). Der Bebauungsplan Nr. 90 ist am 4. Dezember 2018 in Kraft getreten. Im Bebauungsplan ist eine private, öffentlich nutzbare Verkehrsfläche als ringförmige Erschließung des geplanten Wohngebietes festgesetzt. Diese Ringstraße schließt das neue Wohngebiet nördlich an den Altstädter Platz an, welcher im Bebauungsplan Nr. 90 als öffentliche Verkehrsfläche festgesetzt ist. Die private Verkehrsfläche soll jetzt benannt werden.

Im allgemeinen Interesse an einer klar erkennbaren Gliederung des Stadtgebietes muss zur Gewährleistung der Ordnungs- und Erschließungsfunktion für die anliegenden Grundstücke für die unbenannte Verkehrsfläche eine Erstbenennung erfolgen. Die Verkehrsfläche liegt auf den Flurstücken 65/1 und 79 der Flur 118 der Gemarkung Fürstenwalde/Spree (Stand: 01.04.2019, Anlage 1). Das Flurstück 65/1 und die im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 90 befindliche Teilfläche des Flurstückes 79 gehen ins Eigentum des Vorhabenträgers über.

Neben der privaten Verkehrsfläche wird im Südwesten des Geltungsbereiches des Bebauungsplans Nr. 90 zwischen den hier geplanten Gebäuden ein öffentlich nutzbarer Geh- und Radweg zum Park entstehen. Die Wegfläche liegt auf den Flurstücken 65/1 und 101 der Flur 118 der Gemarkung Fürstenwalde/Spree (Stand: 01.04.2019, Anlage 1). Das Flurstück 101 ist und verleibt im Eigentum der Stadt Fürstenwalde/Spree. Diesem Weg kann ein Name zugewiesen werden.

Die Stadtverordnetenversammlung ist frei in ihrer Namensfindung zur Benennung von Straßen und Wegen. Ein neuer Name sollte jedoch die qualitativen Kriterien zur Benennung erfüllen: Er muss hinreichend bestimmt und ausreichend eindeutig sein, sodass eine Verwechslungsgefahr mit bestehenden Straßen- und Wegenamen im Stadtgebiet nicht anzunehmen ist. Bei einigen der nachfolgenden Vorschläge wird die Bezeichnung „Ring“ empfohlen, da es sich im konkreten Fall um eine klassische Ringstraße handelt. Die Bezeichnung ist in Fürstenwalde für derartige Straßen üblich (z.B. Paul-Frost-Ring, Richard-Soland-Ring).

Namensvorschläge

Der Eigentümer der privaten Verkehrsfläche besitzt ein Erstvorschlagsrecht für den Namen. Für die Bezeichnung wurde vom Vorhabenträger in Abstimmung mit der Fachgruppe Stadtplanung der Name Am Spreepark vorgeschlagen. Da dieser Vorschlag in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vom 15.01.2019 keine Zustimmung fand, wurden gemeinsam mit Frau Trilling, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fürstenwalde/Spree, und Herrn Strohfeldt, Leiter des Museums Fürstenwalde, weitere Namensvorschläge ausgearbeitet:

Vorgeschlagen wird für die Ringstraße die Bezeichnung Alte Gärtnerei. Der Vorschlag wurde auch in der o.g. Ausschusssitzung vom Abgeordneten Fischer geäußert. Hintergrund des Vorschlags ist das langjährige Vorhandensein einer Gärtnerei am Ort.

Vorgeschlagen wird für die Ringstraße die Bezeichnung Maria-Merian-Ring. Die aus einer Kupferstecherfamilie stammende Naturwissenschaftlerin Maria Sybilla Merian (geb. 02.04.1647, gest. 13.01.1717) nutzte ihre künstlerische Ausbildung zur genauen Beschreibung und Bebilderung von Lebenszyklen und Entwicklungsstufen von Insekten. Ihr Hauptwerk „Metamorphosis insectorum Surinamensium“ erschien 1705 und befasste sich mit den Insekten der damals niederländischen Kolonie Suriname in Südamerika, welche sie zuvor bereist hatte. Sie gilt als bedeutendste Blumen- und Insektenzeichnerin ihrer Zeit und als Begründerin des Wissenschaftszweiges der Insektenkunde (Entomologie). Um ihre naturwissenschaftlichen Leistungen zu würdigen, wird die Benennung der Verkehrsfläche im Nahbereich des Spreeuferparks vorgeschlagen. [Die Bezeichnungen Sybilla-Merian-Ring, Maria-Sybilla-Merian-Ring oder Merianring wären ebenso möglich. Die vorgeschlagene Ausführung entspricht der in Deutschland gängigsten Bezeichnungsform.]

Vorgeschlagen wird für die Ringstraße die Bezeichnung Fontanering. Der Schriftsteller Theodor Heinrich Fontane (geb. 30.12.1819, gest. 20.09.1898) ist unter anderem für seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ bekannt. Das fünfbändige Werk gilt als Meisterleistung der künstlerisch-journalistischen Form des Reisefeuilletons. Die Wanderungen führten ihn auch nach Fürstenwalde: Von hier startete er seine im Buch beschriebene Osterfahrt ins Land Beeskow-Storkow. Fontane äußerte sich lobend über die Stadt, da Fürstenwalde damals als eine der ersten Preußens schon über eine moderne Gasbeleuchtung verfügte. Das Gaswerk stand weniger als 300 m vom geplanten Wohngebiet entfernt. Seit der Eingemeindung des Ortsteils Fürstenwalde-West nach Hangelsberg Anfang der 1950er Jahre trägt in Fürstenwalde keine Straße mehr den Namen des Schriftstellers. Das Jahr 2019 ist Fontane-Jahr, da sich sein Geburtstag zum 200. Mal jährt. Aus diesem Anlass wird die Benennung der Ringstraße nach Fontane vorgeschlagen. Durch die Verwendung der Kurzform würden neben Theodor Fontane auch die anderen Mitglieder seiner Familie geehrt. [Die verlängerte Bezeichnung Theodor-Fontane-Ring wäre aber ebenso möglich.]

Um bei einer Würdigung Fontanes der beschlossenen Konzeption zur Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Fürstenwalde/Spree zu entsprechen, wird in diesem Zusammenhang als Ergänzung optional für die in Anlage 1 dargestellte Wegfläche der Name Agathe-Roggatz-Weg vorgeschlagen. Jenny Agathe Hermine Roggatz, geb. Sommerfeldt (geb. 29.04.1856, gest. 11.12.1935), war die in Fürstenwalde ansässige Nichte Fontanes. Sie war die Frau des Apothekers und Stadtrates Gustav Roggatz, der sein Geschäft an der Ecke Mühlen-/Herrenstraße (heute Rathausstraße) hatte, wo das Ehepaar auch lebte. Theodor Fontane besuchte sie hier sehr oft. Auch wenn sie in den Wanderungen nicht erwähnt wurden, geht aus Tagebuchaufzeichnungen hervor, dass das Ehepaar Roggatz den Schriftsteller bei dessen beschriebener Osterfahrt begleitete.

Die FDP-Fraktion unterbreitete weitere Vorschläge:

Vorgeschlagen wird für die Ringstraße die Bezeichnung Altstädter Ring. Der Name bezieht sich auf den Altstädter Platz als angrenzenden Bezugspunkt und folgt damit einer in der Stadt Fürstenwalde/Spree durchaus genutzten Benennungslogik (z.B. Martin-Luther-Platz/-Straße, Seilerplatz/-straße) und würde Ortskundigen das intuitive Verorten der Straße erleichtern. [Die gleichfalls vorgeschlagene Bezeichnung „Altstädter Straße“ wird dagegen nicht empfohlen: Der bestehenden Straßenbezeichnung „Altstadt“ wird zur Klarstellung, dass es sich um eine Verkehrsfläche und nicht um ein Gebiet handelt – wie es der Name suggeriert – häufig eine Erläuterung beigefügt (bspw. „Straße Altstadt“ oder „Altstadt-Straße“, vgl. Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vom 24.03.2009). Daraus ergäbe sich eine Verwechslungsgefahr der Straßennamen.]

Vorgeschlagen wird für die Ringstraße die Bezeichnung Zur Alten Stadt. Der Name bezieht sich auf eine Bezeichnung in historischen Stadtplänen (z.B. von 1725), in der das Gebiet im Bereich des heutigen Ruderclubs und Haus am Spreebogen als „Die Alte Stadt“ bezeichnet wird. Aus dieser Bezeichnung entwickelte sich der heutige Straßenname „Altstadt“. Anzumerken ist, dass die zu benennende Straße nicht bis zu dem so bezeichneten Bereich führt, wodurch die Benennung in sich nicht ganz korrekt wäre.

Der Eigentümer der Verkehrsfläche hat sich mit allen vorgenannten Vorschlägen einverstanden erklärt. Er präferiert den Vorschlag Altstädter Ring.

In der o.g. Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses schlug der Abgeordnete Wende die Benennung aufgrund der Spreenähe nach der Figur der Binnenschifferin Wulkow aus dem Roman „Der Biberpelz“ von Gerhart Hauptmann vor. Hierfür konnten keine tiefergehenden Fakten gefunden werden.

Im Auftrag

Christfried Tschepe

Fachbereichsleiter Stadtentwicklung

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Anlage:

Anlage 1: Lageplan