Kommunales Integrationskonzept

Betreff
Kommunales Integrationskonzept
Vorlage
6/DS/908
Aktenzeichen
Integr. K. Hoffmann
Art
Beratungsdrucksache öffentlich

Beschlussvorschlag:

Dem kommunalen Integrationskonzept der Stadt Fürstenwalde/Spree in der Fassung vom 29.04.2019 wird als Arbeitsgrundlage zugestimmt.

Sachverhalt:

Am 11.05.2017 wurde die Verwaltung durch den Ausschuss für Kultur, Sport, Soziales und Gleichstellungsfragen beauftragt ein kommunales Integrationskonzept zu entwickeln.

 

Um das Konzept passgenau für die Situation in Fürstenwalde zu erstellen, bekam die Verwaltung dabei Unterstützung durch die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA). Zunächst wurde die grundsätzliche Konzeptansatz diskutiert und für das weitere Vorgehen eine Steuerungsgruppe benannt, um ein hohes Maß an Beteiligung der Expert*innen zu ermöglichen. Die Steuerungsgruppe hat in Abstimmung mit dem Integrationsnetzwerk die weiteren Schritte festgelegt. Zunächst wurden 10 Handlungsfelder identifiziert, die entscheidend für Integrationsprozesse in Fürstenwalde sind:

 

·           Sprache

·           (schulische und kulturelle) Bildung

·           Ausbildung, Arbeit und Wirtschaft

·           Jugend, Sport und Freizeit

·           soziale, politische und kulturelle Teilhabe

·           interkulturelle Öffnung und Orientierung der Kommunalverwaltung

·           gesundheitliche und soziale Versorgung

·           sozialer Frieden und Sicherheit

·           Wohnen und Stadtentwicklung

·           Mobilität

 

Für die Handlungsfelder „gesellschaftliche und politische Teilhabe“, „Soziales und Gesundheit“, „Wirtschaft, Arbeit und Ausbildung“, „Wohnen und Stadtentwicklung“, „Bildung“, „Sprache“, „Kultur und Religion“, „Sozialer Frieden“ wurden je einzelne, inhaltlich aber als Gesamtprozess zu verstehende Entwicklungswerkstätten durchgeführt. Eingeladen wurden Fachkräfte aus Schulen, Kitas und Horten sowie Vertreterinnen und Vertreter der Jugendhilfe, der Verwaltung, der Stadtverordneten, Polizei und der freier Träger. Die Werkstätten hatten die Funktion, in Orientierung am Sachstand mögliche weitere Entwicklungen und darauf aufbauend Ziele, Strategien und Maßnahmen zu definieren. Die untenstehende Grafik veranschaulicht ihren konzeptionellen Verlauf.

 

 

Die Ziele der Entwicklungswerkstätten waren:

·         Verbesserung der Bildungschancen von jungen Zugewanderten

·         Bessere Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen (auch über den Themenbereich Integration hinaus) /gemeinsame Bildungskonzepte beim Übergang von der Kita in die Grundschule und für die Zusammenarbeit von Schule und Hort

·         Impulse für die Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen, Erarbeitung von geeigneten Maßnahmen/Ideen

·         Erkenntnisse über die besonderen Lebenslagen von Zugewanderten in den einzelnen Sozialräumen

·         Impulse für die Bildung lokaler Verantwortungsgemeinschaften von Bildungseinrichtungen im Sozialraum

·         Erarbeitung von Ideen zur Einbindung und Berücksichtigung des „ländlichen Raums“/Umlandes

·         Erarbeitung konkreter Ergebnisse für das Integrationskonzept der Kommune

·         Verbesserung der Situation von Bildungseinrichtungen in Bezug auf die Integration von jungen Migrant*innen in finanzieller, personeller und räumlicher Sicht

·         Abstimmung mit weiteren (Bildungs-)Angeboten für Erwachsene

·         Erfassung spezieller Bedarfslagen für die Mediation/Konfliktlösung/Übersetzung im Bildungsbereich.

 

Die Werkstätten wurden von je eigenen Vorbereitungsgruppen geplant, die sich sowohl aus Vertreter*innen der Kommune wie auch aus Mitarbeiter*innen von Bildungsträgern und den RAA Brandenburg zusammensetzten. Sie wurden extern moderiert. Die Steuerungsgruppe wertete die Ergebnisse aus und entwickelte daraus Empfehlungen für das Integrationskonzept. Bei der Auswertung hat sich gezeigt, dass es viele Schnittstellen und Überschneidungen gibt. Zum Beispiel zählen Sprachkompetenz einerseits und interkulturelle Kompetenz und interkulturelle Öffnung andererseits zu den unverzichtbaren Teilhabevoraussetzungen in nahezu allen Handlungsbereichen. Es ist deshalb unvermeidlich, dass es in vielen Feldern vergleichbare Ziele und Handlungsempfehlungen gibt. Ein weiteres Problem ist die Trennschärfe. Dieses Konzept ist systemisch und prozessorientiert, weshalb eindeutige Abgrenzungen und voraussetzungsfreie Zieldefinitionen nicht immer möglich sind.

 

Ziele und Strategien

Das Konzept soll Richtlinien und Strategien für die kommunale Verwaltung und Indikatoren für die Wirkungen und Erfolge der Integrationspolitik definieren. Die Stadt hat bereits einiges unternommen, um den oben beschriebenen Konflikten entgegenzuwirken und das Zusammenleben zu fördern: Die Anbieter der professionellen Migrations- und Integrationsdienste haben sich schon 2014 gemeinsam mit den kommunalen und landkreisübergreifenden Diensten und Einrichtungen zum sogenannten Integrationsnetzwerk zusammengeschlossen. Fürstenwalde/Spree unterstützt dieses Netzwerk mit der eigens geschaffenen Fachstelle „Integrationsmanagement“. Vor kurzem hat sie außerdem eine eigene Arbeitsgruppe für „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“ eingerichtet.  Vieles steht aber noch am Beginn. Denn Integration findet überall dort statt, wo Menschen leben, arbeiten, zur Schule gehen, wo sie sich begegnen - also im privaten ebenso wie im öffentlichen Raum. „Integration muss [daher] ein gesamtkommunales Anliegen sein und als gemeinschaftliches Konzept entwickelt werden, das alle kommunalen Handlungsfelder und alle Akteure einbezieht und vernetzt.“  Das bedeutet: die Verwaltung muss ebenso beteiligt werden wie die sozialen Dienste, die öffentlichen und freien Bildungsträger und die Träger des ehrenamtlichen Engagements. Dafür fehlte es bislang an einer gemeinsamen Handlungsgrundlage: An grundsätzlichen Orientierungen und Zielen, sowie auch an abgestimmten Überlegungen zum gemeinsamen Vorgehen. Das hier vorgelegte Integrationskonzept soll diese Lücke schließen. Dadurch, dass Migrant*innen, Fachdienste, Institutionen und freie Träger und möglichst viele weitere gesellschaftliche Gruppen bereits in den Prozess der Erarbeitung einbezogen werden, sollen schon möglichst früh Grundlagen für das gemeinsame Engagement für die Teilhabe und den interkulturellen Dialog geschaffen werden.

 

Insgesamt sollen folgende politische und strategische Ziele umgesetzt werden:

1.            In der Stadtgesellschaft soll ein offenes Klima vorherrschen, in dem die vielfältigen Fähigkeiten und Potenziale aller Einwohner*innen nutzbar und ein Gewinn für alle sind.

2.            Fürstenwalder*innen mit und ohne Migrationshintergrund nähern sich kulturell und sozial einander an. Sie wohnen sozialräumlich gemischt.

3.            Die zugewanderten Einwohner*innen sind bereit, sich gegenüber den hiesigen Verhält-nissen zu öffnen und sich den Anforderungen zu stellen.

4.            Die demokratischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, die Werte und die örtli-chen Möglichkeiten, sich bürgerschaftlich zu engagieren, sind allen Einwohner*innen be-kannt und werden respektiert.

5.            Die gesellschaftliche Integration von zugewanderten Fürstenwalder*innen und ihre Teil-habe werden in den verschiedenen Bereichen gefördert. Der Erhalt der eigenen kulturellen Identität soll den Migrant*innen ermöglicht werden.

6.            Einheimische und zugewanderte Bürger*innen beteiligen sich aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben.

7.            Die Lebenschancen der Einwohner*innen mit Migrationshintergrund verbessern sich nach-haltig hinsichtlich ihrer Bildung und Ausbildung sowie ihrer wirtschaftlichen Situation und gleichen sich denen der Aufnahmegesellschaft an.

 

 

 

Matthias Rudolph

Bürgermeister

Anlagen:

Kommunales Integrationskonzept