Programme der Städtebauförderung "Soziale Stadt", hier: Verstetigung Quartiersmanagement

Betreff
Programme der Städtebauförderung "Soziale Stadt", hier: Verstetigung Quartiersmanagement
Vorlage
7/DS/277
Aktenzeichen
2.21_al
Art
Beratungsdrucksache öffentlich

Beschlussvorschlag:

Der Bürgermeister wird beauftragt, mit der Leistung des Quartiersmanagements Fürstenwalde Nord den Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V. für die Jahre 2021-2023 zu beauftragen. Für die Leistung werden jährlich Honorar- und Sachkosten von 70.000 Euro aus dem Haushalt bereitgestellt. 

Sachverhalt:

Die Stadt Fürstenwalde/Spree hat im Jahr 2018 für drei Jahre das Quartiersmanagement für das Programmgebiet der Nationalen Städtebauförderung „Soziale Stadt“ ausgeschrieben. Damit hat die Stadt ein zentrales Ziel des Beschlusses aus dem IEK Fürstenwalde Nord (6/DS/484) umgesetzt. Den Zuschlag hat die Caritas erhalten, die im Februar 2018 ihre Arbeit aufgenommen hat. Als zuständige Quartiersmanagerin hat die Caritas Frau Anja Stahl angeboten, die seither (mit Unterbrechung durch eine Elternzeitvertretung) diese Funktion ausübt. Das Quartiersbüro mit Sprechzeiten hat die Stadt in ihrem Objekt Trebuser Straße 60 angesiedelt.

 

Ziele und Effekte des Quartiersmanagements

Mit dem IEK Fürstenwalde Nord (Beschluss am 08.06.2017, 6/DS/484) hat die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass ein Quartiersmanagement als Schnittstelle für die Bewohnerinnen und Bewohner im Quartier sowie für die öffentlichen Institutionen (Schulen, Feuerwehr, Polizei, soziale Träger, Vereine usw.) eingerichtet werden soll.

Die Aktivierung und Befähigung der Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers bzw. Stadtteils ist eine wesentliche Grundlage für eine partizipative Gestaltung und Weiterentwicklung des Stadtteils und damit wesentlich, um diese Prozesse nicht ohne sie bzw. an ihren Interessen vorbei zu gestalten. Die partizipative Beteiligung erhöht mit hoher Wahrscheinlichkeit die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil. Nach einer Neuaufstellung (Relaunch) der Stadtteilzeitung informiert diese mit Unterstützung des Quartiersmanagements über Aktivitäten und Entwicklungen im Stadtteil.

Um möglichst viele Bewohnerinnen und Bewohner aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus zu erreichen, braucht es differenzierte Kontakt- und Kommunikationsansätze sowie ein gutes Standing (Reputation, Ansehen) des Quartiersmanagements. Aufgrund der Vielschichtigkeit von Lebenswelten und Kommunikationsprozessen erfordert dies eine längere und kontinuierliche Arbeit im Stadtteil, denn eine erfolgreiche Arbeit erfordert ein hohes Vertrauen und eine umfassende Akzeptanz der Mitarbeitenden. Ein solcher Ansprechpartner ist zudem geeignet, zur sozialen Befriedung beizutragen.

Um Menschen mit ähnlichen Erwartungen und Zielstellungen zu Interessengruppen zusammenzubringen und sie zu befähigen, selbstständig auf der Klaviatur der kommunalpolitischen Prozesse spielen zu können und sich die erforderlichen Unterstützer und „Türöffner“ ins Boot zu holen, sind ebenfalls längere Bildungs- und Coachingprozesse erforderlich. Die Neubildung des Quartiersrates hat dabei ebenfalls einen Anteil wie die Begleitung der Quartierslotsen (Unterstützung von freiwilligen bzw. ehrenamtlich Aktiven).

Die Arbeit im Quartier als direkte Kontaktstelle der Stadtverwaltung läuft über Personen. Aufgrund der genannten Aspekte würde eine Neubesetzung bzw. eine Änderung der Trägerschaft des Quartiersmanagements dieses weit zurückwerfen, denn der Kontaktaufbau zu Bewohnerinnen und Bewohnern, Institutionen, Akteuren und Prozessgestaltern im Stadtteil sowie die Etablierung von Kooperationsbeziehungen würden wieder von vorn beginnen müssen.

Leistungen des Quartiersmanagements sind u.a.:

  • Leitung des Quartiersbüros inklusive Vor-Ort-Präsenz (Trebuser Str. 60) sowie Koordinierung eines Quartierstreffs („Zilki 13“)
  • Durchführung von Sprechstunden und niedrigschwellige Sozialberatung persönlich und telefonisch
  • Durchführung und Öffentlichkeitsarbeit eines Sprachcafés alle 14 Tage in Kooperation mit anderen sozialen Trägern (pausiert während der Corona-Pandemie)
  •  Durchführung des jährlichen Treffens des gesamten Stadtteilnetzwerks sowie Moderation und Koordinierung der AG Kiez Nord
  • Koordination und Vorbereitung in der Organisation eines Stadtteilfestes (Weltkindertagsfest 2020)
  • Vor- und Nachbereitung der Quartiersratssitzungen; Koordinierung der Antragsstellung Verfügungsfonds und Aktionsfonds
  • Vorbereitung, Leitung und Nachbereitung der jeweiligen Redaktionssitzung der Stadtteilzeitung (erscheint 6 Mal jährlich) in Absprache mit der Stadtverwaltung
  • fortlaufende Gespräche und Bedarfserfassung mit Anwohner*innen und anderen Akteuren/Institutionen in den Quartieren
  • Problemanalyse und Mitwirkung in der Lenkungsgruppe „Soziales und Planung“ der Stadtverwaltung
  • Öffentlichkeitsarbeit (Pflege der Webpräsenz, Verteilung von Flyern, Plakate, Schaukasten an zentralen Punkten usw.)
  • Netzwerkarbeit (u.a. Vereinbarung mit RAA – Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie „Stadtgeflüster“ zur Kooperation im Projekt Quartierslotsen)

 

Über ihre Aktivitäten und ihre Angebote informiert die Quartiersmanagerin regelmäßig im Sozialausschuss der Stadt.

Mit der bewussten Ansiedlung des Quartiersmanagements in den denkmalgeschützten Gebäuden auf dem Pintsch-Areal hat die Stadt einen Nutzer, der aufgrund seiner Vor-Ort-Präsenz mit Beratungsangeboten und Veranstaltungen (im Normalbetrieb) die konstante Nutzung und damit soziale Kontrolle sichert. Diese Maßnahme dient auch der Vorbeugung von Vandalismus.

 

Rahmenbedingungen

Mit der Drucksache 7/IV/250  informiert die Verwaltung über die aufgrund der Verwaltungsvereinbarung 2020 von Bund und Ländern veränderten Rahmenbedingungen und die Entscheidung des Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) zusammen mit dem Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV), dass die Stadt Fürstenwalde/Spree nicht in das Nachfolgeprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ aufgenommen werden wird. Die bereits beantragten und beschiedenen Mittel aus dem Programm „Soziale Stadt“ stehen der Stadt zudem nur noch bis 2023 zur Verfügung. Eine Fortführung des Quartiersmanagements kann dann nur mit veränderten und potenziell stark verschlechterten Förderbedingungen erfolgen.

Die befristete Beauftragung der Auftragnehmerin läuft zum 31.01.2021 aus. Die Verwaltung hat daher den Sachverhalt einer Verstetigung mit Neuausschreibung, Nachbeauftragung oder Beendigung der Maßnahme geprüft. Sie empfiehlt eine Nachbeauftragung der Caritas auf weitere drei Jahre. In diesem Zeitraum ist zu klären, ob eine Fortführung der Maßnahme nach 2023 aus anderen Finanzierungsmitteln erfolgen soll.

Die Maßnahme hatte gerade in der Anfangsphase wahrnehmbare Schwierigkeiten, da wechselnde personelle Besetzungen nicht zum Aufbau verlässlicher Beziehungen führten und somit wenig Kontinuität zu erkennen war. Dies hat sich grundlegend geändert. Deutlich sichtbar wurde dies am Beginn des ersten Lockdown der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Hier konnte mit vielen Partnern im Stadtteil trägerübergreifend der wichtige Kontakt zu den Menschen im Quartier gehalten werden, indem gemeinsam „Corona-Taschen“ gepackt und verteilt wurden. Mitentwickelt und koordiniert wurde die Aktion über das Quartiersmanagement.

Die Mitarbeiterin unterstützt Migrantenselbstorganisationen, berät Träger vor Ort, unterstützt bei der Schlichtung von Konflikten, organisiert mit Anwohnerinnen und Anwohnern gemeinsam Möglichkeiten der Begegnung und entwickelt gemeinsam mit Interessierten Ideen zur Öffent-lichkeitsarbeit. Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Stadt Fürstenwalde/Spree ist konstruktiv, sachorientiert und wenn notwendig auch beharrlich.

Eine Beauftragung an einen neuen Auftragnehmer würde zu einem  Abbruch des bisher Geleisteten führen und die Maßnahme müsste ganz von vorne beginnen.

Wichtig für eine Weiterführung wäre, dass die Ziele und Erwartungen, die mit dem Quartiersmanagement verbunden sind, auf Basis der Laufzeit evaluiert werden, um vor allem einschätzen zu können, welche Ergebnisse in der bestehenden oder umstrukturierten Form (Standort, Personalumfang usw.) realistisch erreicht werden können.  

im Auftrag

Christfried Tschepe
Dezernatsleiter

Dezernat 2 - Stadtentwicklung

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