Herr Fröhlich von der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (BBSM) stellt anhand einer Präsentation die Ergebnisse der Einwohnerentwicklungsanalyse und -prognose vor. Für die Analyse der Entwicklung wurden drei Gruppen differenziert: deutsche Bevölkerung, EU-Ausländer sowie sonstige Ausländer. Stichtag der Untersuchung war der 31.12.2016. An diesem Tag lebten in der Stadt 33.113 Menschen. Während die Zahl der deutschen Bevölkerung über die letzten zehn Jahre leicht sank (von 34.482 auf 30.354), nahm die Zahl der ausländischen Bevölkerung zu (EU-Ausländer von 200 auf 512, Nicht-EU-Ausländer von 1.037 auf 2.247). Die Anzahl der sonstigen Ausländer ist nach 2014 deutlich gestiegen, sie umfasst aber nicht ausschließlich Geflüchtete. Bei bestimmten Altersgruppen sind landestypische Entwicklungen festzustellen: So gibt es Bildungsabwanderung und auch der demografische Einschnitt nach der Wende ist vorhanden. Der natürliche Saldo aus Geburten und Sterbefällen ist weiterhin negativ, allerdings nimmt die Zahl der Geburten zu.

In den letzten Jahren gab es bei den Wanderungen leichte Umlandverluste, während im Verhältnis zu Berlin sich der Verlust 2014 auf einen Gewinn gedreht hat. Bei anderen Orten gibt es bereits seit 2011 Zuzugsgewinne für Fürstenwalde. Besonders stark spiegelt sich die Flüchtlingswelle wider. Wegen der unklaren künftigen Wanderungsentwicklung können keine sicheren Annahmen getroffen werden, daher wurden die sonstigen Ausländer separat betrachtet.

Es wurden drei Szenarien untersucht:

-                                    Das Basisszenario, welches sich nach der (nicht aktuellen) Landesprognose richtet: In diesem Szenario steigt die Bevölkerungszahl bis 2020, um danach zurück zu gehen.

-                                    Das Trendszenario, welches die durchschnittlichen Wanderungssalden fortsetzt: In diesem Fall sinkt die Bevölkerungszahl wegen des Sterbeüberschusses.

-                                    Die Aktivierung von Wohnungsbaupotentialflächen mit 1.500 neuen Haushalten bis 2030: Durch die Wohnbauaktivierung könnte ein Zuzug von 230 bis 240 Personen pro Jahr erfolgen. Nach einem Anstieg würde die Anzahl der Einwohner ab 2025 stabil werden, da dann der natürliche Saldo aufgewogen wird.

In Fürstenwalde-Nord ist die Anzahl der Einwohner seit 2012 stabil, nachdem sie zuvor zurückgegangen war. Bei der Wohnbauaktivierung würde die Zahl wachsen, ansonsten stabil bleiben. Im Stadtteil Mitte steigt die Zahl der Einwohner seit 2007. Die Zahl würde bei der Aktivierung noch weiter steigen und dann wieder sinken, ansonsten wäre sie relativ stabil. In Süd steigen die Zahlen seit 2015 wieder, nachdem diese zuvor sanken. Hier befinden sich die meisten Baupotentiale, andererseits auch eine Altersstruktur, durch welche die Einwohnerzahl zurückgehen wird. Bei der Aktivierung würde eine dynamische Entwicklung stattfinden.

Herr Hilkes Frage, ob beim Wohnbaupotentialszenario auch der freiwerdende Wohnraum beachtet wurde, bejaht Herr Fröhlich. Bei den Themen Familiennachzug und Lage des Bürgerkrieges in Syrien konnte nur die jetzige Situation berücksichtigt werden, führt Herr Fröhlich auf Nachfrage von Herrn Hilke aus, allerdings würden sich die Zahlen bei der Wohnbaupoten­tialaktivierung nur unwesentlich ändern, lediglich die Anteile Deutsche–Ausländer wären unterschiedlich.

Herr Hoffrichter fragt, ob als Folge der Umlandwanderungen, bei denen Ältere in die Stadt zurückkehren und Jüngere rausziehen, Eingemeindungen eine sinnvolle Maßnahme wäre, um das Gefüge wieder zusammenzuführen. Herr Fröhlich empfiehlt besser die Stadt attraktiv für Familien zu machen, als die Statistik durch Eingemeindungen zu verändern.

Herr Hoffrichter sagt, dass Erkner und Bad Saarow häufig deutlich näher an Berlin empfunden und wahrgenommen werden als Fürstenwalde, und wirft die Frage auf, wie das verändert werden könnte. Herr Fröhlich führt aus, dass eine Entwicklung in den Städten der „2. Reihe“ bereits feststellbar ist, aber das Ergebnis der Entwicklung unklar ist. Der Wohnungsdruck in Berlin ist sehr groß, die Partizipation der umliegenden Städte davon ist nicht absehbar. Es gibt nachgefragte und weniger nachgefragte Standorte.

Herr Wende sieht, dass aus den Statistiken unterschiedliche Aussagen herausgelesen werden können. Statt über Eingemeindungen nachzudenken, sollten mit den Umlandkommunen gemeinsame Planungsräume auf Initiative der Stadt entstehen. Analog zur Betrachtung der Sozialräume könnte ein gemeinsames Budget dafür beschlossen werden. Möglicherweise wäre die Wiedereinführung des VBB-Berlin-C-Bereiches als Unterstützung der Wahrnehmung durch Berliner hilfreich.

Herr Tschepe sieht beste Chancen der Stadt, durch Qualität zu punkten. Fürstenwalde hat Bauland, Schulen, Kitas usw. Diese Stärken sollten weiterentwickelt werden. Im Verhältnis zu Berlin hat sich die Entwicklung geändert: Während am Friedrich-Naumann-Platz noch kein Berliner ein Grundstück erwarb, liegt deren Anteil bei den Grundstücken der Ketschendorfer Feldmark I in der zweiten Runde bei 40 %. Eine Zunahme ist zu erwarten, auch durch die BER-Eröffnung.

Herr Hemmerling bestätigt diese Aussage und ergänzt, dass vor allem der RE 1 eine qualitativ hochwertige Verbindung ist und einen Vorteil gegenüber anderen 2.-Reihe-Städten darstellt. Er spricht sich für einen stärkeren Infrastrukturausbau (bspw. Sandstraßen) aus, auch um eine bessere Außendarstellung zu erwirken.