Betreff
Ergebnis der Einwohnerbefragung "Sicher leben"
Vorlage
4/348
Aktenzeichen
FB 3-Malcher
Art
Informationsdrucksache öffentlich

Sachverhalt:

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde in Fürstenwalde eine Bürgerbefragung mit dem Thema „Sicher leben“ durchgeführt. Hierzu hatte sich die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung vom 22.04.2004 mehrheitlich entschieden. Diese Sicherheitsumfrage hatte die Stadt Fürstenwalde gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Frankfurt/Oder unter fachkundiger Begleitung von Dr. Jörg Jacobs, wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für vergleichende Kultursoziologie an der Europauniversität Viadrina, auf den Weg gebracht. Dabei wurden 4.000 zufällig ausgewählte Fürstenwalderinnen und Fürstenwalder über 16 Jahre zu ihrer persönlichen Wahrnehmung von Sicherheit befragt. Der Rücklauf der Fragebögen lag bei 30 Prozent und wurde von den Experten als gut und repräsentativ eingestuft.

 

Einerseits wurden Fragen gestellt nach dem Sicherheitsgefühl in dem Stadtgebiet, in dem die Befragten wohnen. Andererseits wurden verschiedene Problemfelder wie z.B. die Bedrohung durch Jugendgruppen, Ausländerfeindlichkeit oder Drogenabhängige angesprochen. Die Befragten sollten bestimmte Problemlagen in ihrem Wohngebiet beurteilen. Dabei ging es auch um Müll, Straßenbeleuchtung und die Arbeit der Polizei. Für die Initiatoren war auch interessant, wie oft die Befragten selbst direkt mit der Polizei Kontakt hatten und ob sie in den vergangenen 12 Monaten möglicherweise selbst Opfer einer Straftat geworden waren.

 

Es zeigte sich, dass 80 Prozent der Befragten in dem relevanten Zeitraum keine eigenen Erfahrungen mit Straftaten gemacht haben. Insgesamt ist Fürstenwalde, so die Einschätzung aller an der Studie beteiligten Experten, eine intakte Stadt.

 

So wird es als normal angesehen, dass sich 9 Prozent der Befragten auch am Tag unsicher fühlten. Damit liegt Fürstenwalde im Schnitt anderer deutscher Städte. In Magdeburg lag die Zahl bei einer Befragung im Jahr 2000 für diesen Sachverhalt bei 14,4 Prozent. Noch 1996 fühlten sich 60 Prozent der Menschen in Ost-Deutschland in der Nacht unsicher. Jetzt sind es in Fürstenwalde noch 51 Prozent der Befragten. Es fällt aber auf, dass Fürstenwalde Nord als unsicherer empfunden wird als die anderen Stadtteile. Nicht überraschend ist die Geschlechterspezifik bei dieser Frage. 60 Prozent der Frauen fühlen sich unsicher, aber nur 40 Prozent der Männer.

 

Die Studie ergab auch, dass die Zahl derer, die beispielweise mit Diebstahl konfrontiert war, mit der Rate der Stadt Bonn vergleichbar ist. Allerdings sind Belästigungen und Pöbeleien häufiger anzutreffen, ca. 25 Prozent sind damit in den letzten 12 Monaten in Fürstenwalde konfrontiert gewesen, in Bonn dagegen nur 11 Prozent. In Fürstenwalde Nord klagten sogar 31 Prozent über Belästigungen und Pöbeleien. 40 Prozent der bis 25-Jährigen haben damit Erfahrungen gemacht, aber nur 19 Prozent der über 60-Jährigen.

 

Knapp 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie bestimmte Plätze und Straßen meiden. Unter ihnen ist der Anteil der 16- bis 25-Jährigen besonders hoch.

 

Als größte und bedeutendste Probleme wurden mit weitem Abstand Auto- bzw. Verkehrsrowdys und die Müllverschmutzung im Stadtgebiet mit 48 und 47 Prozent benannt. Dahinter folgen leerstehende Gebäude, Diebstahl und mangelnde Straßenbeleuchtung sowie Betrunkene.

 

Eine verstärkte Präsenz der Polizei vor Ort sehen immerhin 40 Prozent der Befragten als Lösung zur Verbesserung der Sicherheitslage an. Einen Ausbau der Straßenbeleuchtung und eine stärkere Kontrolle des Verkehrs fordern jeweils knapp 12 Prozent.

 

 

 

 

Was das Mehr an Straßenbeleuchtung betrifft, wird unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit am Bedarf orientiert.

Ein Beispiel dafür ist der Fall des Discozeltes im Pintschgebiet. Nachdem die Polizei vermehrt Straftaten im Umfeld des Zeltes festgestellt hat, wurde die Straßenbeleuchtung in dem Bereich wieder länger angestellt – mit positiver Wirkung.

 

Hinsichtlich der Verschmutzung der Stadt mit Müll würde bürgerschaftliches Engagement viel bewirken. Die Aktion „putz munter“, die in diesem Jahr bereits das vierte Mal durchgeführt wird, trug bereits dazu bei, dass unsere Stadt sauberer wird.

 

Zur Verbesserung der Sicherheitslage allgemein haben Stadt und Polizei bereits reagiert. So gibt es gemeinsame monatliche Dienstberatungen und gemeinsame Streifengänge zu Schwerpunktthemen.

 

Der Ruf nach mehr Überwachung und mehr Polizeipräsenz kann aber nicht allein die Lösung sein. Darin sind sich Stadt und Polizei einig. Gelegentlich hilft auch Aufmerksamkeit und Zivilcourage, z.B. um eine Pöbelei oder Belästigung zu unterbinden.

 

Das umfangreiche Zahlenmaterial kann bei Bedarf vom Fachbereich 3 , Herrn Malcher, abgefordert werden.

Bernd Daske

Fachbereichsleiter

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