Antrag der Fraktion DIE LINKE Bericht zum Denkmalschutz - Denkmale präsentieren - Denkmalliste erweitern

Betreff
Antrag der Fraktion DIE LINKE Bericht zum Denkmalschutz - Denkmale präsentieren - Denkmalliste erweitern
Vorlage
6/AN/308
Art
Antrag öffentlich

Beschlussvorschlag:

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, der Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung am 22. September in Abstimmung mit der Unteren Denkmalsbehörde des Landkreises Oder-Spree einen Bericht zum Denkmalschutz in der Stadt Fürstenwalde vorzulegen, der umfassende Informationen (u.a. wann und aus welchen Gründen als Denkmal ausgewiesen, Eigentumsverhältnisse und derzeitige bzw. geplante Nutzung, derzeitiger Zustand des jeweiligen Denkmals) zu den unter Denkmalschutz gestellten Gebäuden und Bauwerken enthalten soll sowie die Darstellung unternommener Maßnahmen zum Erhalt der jeweiligen Denkmäler. Der Bericht soll neben Gebäuden und Bauwerken auch die Natur- und Kulturdenkmäler und die unter Ensembleschutz stehenden Kulissen umfassen.

 

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit dem Museum, dem Freundeskreis des Museums und anderen historisch Interessierten und Engagierten Institutionen, wie zum Beispiel dem Verschönerungsverein der Stadt, eine Liste ortsbildprägender und/oder ortsgeschichtlich bedeutender Gebäude, Bauwerke oder markanter Natursolitäre, wie z.B. Bäume oder der Hangkante, zu erstellen und ggfs. zur Aufnahme in die Denkmalliste vorzuschlagen. Über einen Aufruf sollten die Einwohner*innen der Stadt zur Mitarbeit gewonnen werden.

 

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit dem Tourismusverein die wissenswerten und interessanten "Roten Tafeln" als Informationsquelle für auf alle unter Denkmal- bzw. Ensembleschutz stehenden Gebäude und Gebiete auszudehnen. Auf diese Weise soll es gelingen, die Alt- und Neufürstenwalder wie auch die Gäste unserer Stadt mit kulturellen Schätzen Fürstenwaldes vertraut zu machen.

Die Liste der Baudenkmäler in Fürstenwalde umfasst zur Zeit 44 Gebäude, die zum Teil vorbildlich erhalten, wie die Spreemühle, oder in beklagenswertem Zustand, wie das Mühlenmeisterhaus an der Schleuse (beide übrigens in gemeinsamen Eigentum eines privaten Dritten) sind. Gerade letzteres hat in der Vergangenheit oft zum Abriss geschützter und erhaltenswerter Gebäude geführt, erinnert sei an die Villa in der Eisenbahnstraße oder die Alte Philharmonie. Die Stadt muss hier deutlich mehr Verantwortung übernehmen für den Erhalt von Gebäuden, Bauwerken und Naturdenkmale aus allen Epochen, so zum Beispiel auch für die Fassade der Gerhard-Goßmann-Schule, als eine von zwei Schulgebäuden, die beispielhaft für die frühe (Schul-)Architektur der 50er Jahre der DDR steht. Geht es doch um den Erhalt kultureller Zeugnisse unserer Stadt. Geht es doch um den Erhalt eines vielfältigen und interessanten Gesichtes unserer Stadt.

 

Jede und jeder ist täglich mit Baukultur konfrontiert. Dabei erscheinen Orte und Gebäude zunehmend als austauschbar und wenig identitätsstiftend. Viele beklagen, dass moderne Architektur den Bedürfnissen der Menschen häufig unzureichend gerecht wird. Fürstenwalde hat noch einiges an interessanter Bau- und Industriekultur zu bieten. Im Spannungsfeld zwischen dem historischen Erbe und zukünftigen städtebaulichen Herausforderungen gilt es Lösungen zu finden, die den Ansprüchen zwischen nachhaltiger Entwicklung und dem Erhalt der Baukultur gerecht werden.

 

Baukultur umfasst die verschiedenen Praktiken des Bauens und Gestaltens des öffentlichen Raumes sowie von Gebäuden. Sie ist Ergebnis des professionellen Wirkens von Architekten und Ingenieuren ebenso wie Ausdruck des verantwortungsvollen Umganges der Stadtgesellschaft mit der gebauten Umwelt. Es sagt viel aus über die Kultur einer Stadt, wie wertschätzend sie mit ihrer Baukultur, also den modernen Bauten genauso wie historischen, alten wie jungen, schönen und weniger schönen umgeht. Auch ein P2 - Plattenbau ist über kurz oder lang ein wichtiges architektonisches Zeugnis!

 

Dabei ist der Erhalt von Gebäuden kein Selbstzweck. Während der materielle Schutz erhaltenswerter Substanz lange im Vordergrund stand, gewinnt in Deutschland zunehmend auch der Schutz ästhetischer und anderer immaterieller Werte an Bedeutung. Denkmalpflege braucht dafür öffentlichen Rückhalt und Anerkennung.
Schon immer befand sich die Denkmalpflege im Spannungsfeld zwischen dem Schutz der Substanz und dem Nutzwert eines Gebäudes. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen. Für die energetische Sanierung brauchen wir Ausnahmen und Konzepte für Denkmäler. Andererseits muss sich auch die Denkmalpflege noch stärker für Maßnahmen einsetzen, die Bauwerke nutzbar halten. Nur genutzte und bewohnte Gebäude bleiben langfristig für die Nachwelt erhalten. Die Diskussion zur Fassadensanierung an der Gerhard-Goßmann-Grundschule führt uns dies gerade mehr als deutlich vor Augen.

 

 

gez. Stephan Wende